Ich habe beruflich des öfteren mit Kunden oder technischen Personal aus Japan zu tun. Und es gibt ein paar Sachen, die sollte man einfach wissen. Allein schon aus Höflichkeit. Heute bin ich auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung aufmerksam geworden wo die wichtigsten Fallstricke im Umgang mit Japanern erläutert werden.

Anrede:
An den Namen von Frauen und Männern wird ein höfliches „san“ angehängt: Herr Yamoto wird also mit „Yamoto-san“ angesprochen. An den eigenen Namen aber niemals selbst ein „san“ anhängen!

Begrüßung:
Schulterklopfen, Begrüßungskuss, gar Händeschütteln sind in Japan unüblich. Korrekt ist eine leichte Verbeugung mit geradem Rücken. Dabei gibt es feine Unterschiede: Wer in der Hierarchie niedriger steht, verbeugt sich auch tiefer. Dabei stehen Ältere über Jüngeren, Gäste über Gastgebern, Männer über Frauen. Im Geschäft verbeugt sich meist nur der Verkäufer, der Käufer darf sich auf ein Nicken beschränken. Für Nicht-Japaner ist eine mittlere Verbeugung die beste Lösung.

Visitenkarten:
Reisende sollten in Japan auf den richtigen Umgang mit Visitenkarten achten. Für Japaner haben die kleinen Kärtchen eine große Bedeutung, sie gelten gar als Teil der Persönlichkeit. Sogar Hausfrauen überreichen die Karten. Entsprechend sorgsam sollte man die Karten handhaben.

Zum guten Ton gehört es, sie mit beiden Händen zu überreichen – und in Empfang zu nehmen. Nun ist Zeit für eine leichte Verbeugung.

Dann werden die Karten eingehend studiert. Tabu ist, sich darauf Notizen zu machen. Im Restaurant bleibt die Karte griffbereit während des Essens auf dem Tisch liegen. „Watashi no meishi desu“ heißt „Hier ist meine Visitenkarte“.

Diese sollte möglichst zweisprachig auf Englisch und Japanisch verfasst und einwandfrei sein. Geknickte Ecken und Schmutz wären mehr als unhöflich.

Ja. Nicht Nein:
Streichen Sie „Nein“ aus Ihrem Reise-Wortschatz. Mit dieser direkten Ablehnung brüskieren Sie jeden Gesprächspartner in Japan.

Allerdings kann diese Einschränkung durchaus zu Missverständnissen führen. Stimmt der andere wirklich zu? Oder will er nur nicht unhöflich sein? Auch als Tourist sollte man seine Anliegen sehr dezent formulieren und nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Wer im Gespräch immer wieder mal ein bestätigendes „Hai“ (Ja) einwirft, signalisiert Aufmerksamkeit. Wer es allerdings mit „Haihai“ (Jaja) übertreibt, ist schon wieder unhöflich.

Entschuldigung:
Sie können kein Japanisch? Und kennen sich in diesem Viertel nicht aus? Dann wird es Zeit für eine Entschuldigung! Diese gehört zum guten japanischen Ton. „Sumimasen“ passt immer: Dies heißt sowohl „Entschuldigen Sie bitte!“, „Es tut mir leid!“ als auch „Danke!“.

Umgangsformen:
Seien Sie nie zu spät. Zu früh aber auch nicht. Um auf eine Person zu zeigen, darf man nur die ganze Hand nehmen, nicht den Finger. Wer auf sich selbst zeigt, deutet auf seine Nase.

Wer jemanden mit Gesten zu sich winken möchte, muss die Handfläche nach unten halten. In Japan winkt man mit der Handfläche nach oben nur Tiere zu sich.

Unglück bringt die Zahl vier: Sie wird „shi“ ausgesprochen und ist damit phonetisch gleichbedeutend mit dem Wort für Tod. Daher wird die „vier“ im Alltag umgangen, auch Hotelzimmer mit der Nummer vier gibt es oftmals nicht.

Tischmanieren:
Isst man in Gesellschaft, wird nicht selbst nachgeschenkt. Die Begleitung füllt das Glas auf, sobald es leer ist – und umgekehrt. Wer nichts mehr trinken will, lässt die Hälfte stehen. Wer sich selbst nachschenkt, gilt schnell als Säufer.

Prost heißt „Kanpai“, beim Essen bedankt man sich mit „Itadakimasu“ (wörtl.: „Ich nehme entgegen“), danach mit „Gochisosama deshita“.

Schlürfen, vor allem bei Suppen, ist (zumindest bei Männern) gern gesehen, da dies als Kompliment für den Koch verstanden wird. Reis- und
Suppenschüsseln werden in die Hand genommen und das Essen mit den Stäbchen in den Mund geschoben. So kleckert man weniger.

In Restaurants wird kein Trinkgeld erwartet, sondern vorausgesetzt, dass der Service immer so gut ist, dass man dies nicht extra honorieren muss.

Das Wechselgeld nicht vor dem Verkäufer nachzählen, da er dies als beschämenden Betrugsverdacht interpretiert.

Essstäbchen:
Der Umgang mit Essstäbchen birgt Tücken, die über die Handhabung hinausgehen. Niemals darf man die Stäbchen senkrecht ins Essen stecken – dies ist Opfergaben für Tote vorbehalten. Geben Sie mit den Stäbchen kein Essen weiter – nach einem buddhistischen Ritual werden so Knochen aus der Asche der Verstorbenen an die Verwandschaft überreicht.

Werden gemeinschaftliche Platten ohne Vorlegebesteck aufgetragen, sollte man nicht die Spitze sondern das Stäbchenende verwenden, um den eigenen Teller zu füllen.

Niemals mit dem Stäbchen auf etwas oder jemanden zeigen.

Benehmen auf offener Straße:
Naseputzen in der Öffentlichkeit ist verpönt. Man sollte schniefen und die nächste Toilette aufsuchen. Auch Niesen ist zu unterdrücken.

Selbst wenn der Hunger quält. Auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmitteln zu essen, ist ein großer Fauxpas.

Gefühlsausbrüche:
Hotel überbucht? Flug verpasst? Halten Sie an sich!

In Japan sollte jeder jederzeit „sein Gesicht wahren“, auch wenn nach europäischen Maßstäben ein lautes Wort angebracht wäre.

Auch wildes Gestikulieren erregt unangenehmes Aufsehen, und Hände sollten nicht „sprechen“.

Einladungen in Privatwohnungen:
Touristen werden selten nach Hause eingeladen. Wer doch in den Genuss kommt, sollte sich der großen Ehre bewusst sein – und natürlich an etliche Regeln halten:

Beim Betreten der Wohnung muss der Besucher seine Schuhe ausziehen. Diese werden nicht achtlos abgestellt, sondern zeigen mit dem Spitzen zur Eingangstür.

Häufig erhalten Gäste Hauspantoffeln, die sie aber in Räumen mit Reismatten wieder abstreifen sollten, da sonst die Matten beschädigt werden.

Für die Toilette stehen oft spezielle Pantoffeln bereit. Man darf allerdings nicht vergessen, dieses „besonders unreine“ Schuhwerk vor Betreten des Wohnraums wieder auszuziehen.

Wer in einer Privatwohnung übernachtet, muss sich bereits vor dem Baden waschen, da das Badewasser oft von der gesamten Familie zur Entspannung, nicht zur Reinigung genutzt wird. Also auch den Stöpsel nicht ziehen!

Wer besonderes Interesse für einen Gegenstand in der Wohnung zeigt, nötigt den Gastgeber damit unbewusst, ihm das Objekt der Begierde zu schenken.

Geschenke:
Ist man eingeladen, sollte man ein kleines Geschenk überreichen. Dabei ist nicht nur der Inhalt wichtig, viel Aufmerksamkeit verlangt auch eine schöne Verpackung. Zu teuer darf das Mitbringsel nicht sein, weil das den Beschenkten in Zugzwang bringt – was wiederum unhöflich ist…

Da Weiß die Farbe der Trauer ist, sollte weder das Präsent in weißes Papier umwickelt sein noch weiße Blumen verschenkt werden. Auch Schleifen sind Hinweise auf Beerdigungen.

Niemals ein Quartett verschenken – das bringt Unglück. Auch Messer und Scheren erfreuen den Beschenkten nicht. Sie stehen für das Lösen der (Freundschafts-)Bande.

Freude bereitet man mit Geschenken, die zwar kitschig sind, aber als „typisch deutsch“ gelten.

Überreicht wird das Präsent mit beiden Händen, um zu zeigen, dass es von Herzen kommt.

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